"Hat sich wenig getan in eurem Blog, die letzten Tage", sagte ein Freund mir gestern.
Stimmt! Aber es liegt sicherlich auch daran, dass sich alles einspielt und die überschlagenden Ereignisse der ersten Tage nun von Alltag und Routine abgelöst werden. Das bedeutet nicht, und das sage ich mit Nachdruck, dass sich hier nichts Neues ereignet.
Nach dem ersten Monat können wir auf jeden Fall sagen, das wir zu keiner Minute den Schritt nach Schweden bereut haben. Und auch den Zweiflern, die uns noch im Dezember sagten, dass wir spätestens nach einer Woche zurückkommen, sei gesagt, " Da habt ihr euch mal dammich vertan!!" Wenn wir abends das Ritual der Tagesschau abhalten, sind wir froh, hier und nicht da zu sein. Die Ruhe und Gelassenheit der Schweden zieht einen regelrecht in den Bann und lässt einen nicht mehr los. Sicher, für Pauschaltouristen, die die Erfüllung ihres Lebens darin sehen, mit einem Bändchen am Arm von Vollrausch zu Vollrausch zu taumeln und von deutschen Amateuren zu deutscher Musik, deutschem Essen und vor allem deutschem Bier veralbert zu werden, ist Schweden der blanke Horror. Neulich gab es im Fernsehen ja mal wieder einen Bericht von welchen, die die Entscheidung Schweden getroffen hatten nachdem sie sich exakt 2 Wochen mit diesem Land beschäftigt hatten.
Und so kam es dann auch, dass sie sich vor der Kamera zum Volldeppen machten.
Jedem der herkommen möchte sei auf dieser Stelle der Hinweis gegeben, Sprache ist die wichtigste Grundlage für einen gelungenen Start. Und die Dekadenz zu besitzen, den hier lebenden Menschen deutsch abzuverlangen, finde ich persönlich untragbar und dennoch sehr deutsch.
Man bekommt ja in der ganzen Welt Currywurst und Wienerschnitzel, warum sprechen die dann nicht auch deutsch, die wollen mich als Facharbeiter mit meiner tollen deutschen Art ja schon seit Jahren hier haben und wo verdammt ist eigentlich der Rote Teppich wenn ich zu den Behörden gehe. Das kann ja wohl nicht wahr sein.(Ironie, nur für den Fall das jemand dies nicht erkennt)
Also mit solch einer Einstellung bekommt man in jedem Land die dicksten Brocken in den Weg geschmissen. Hier sieht man es gern, wenn man sich in der Landessprache unterhält, unabhängig davon, ob der Wortschatz nun 200.000 oder 2000 Worte umfasst. Uns hat man in jeder denkbaren Situation über die schwedische Sprache alle Türen geöffnet, hat sich Zeit genommen und uns hier und da geholfen, das richtige Wort zu finden.
Ich mag es nur nicht, wenn solche "Auswanderer" zurück nach Deutschland gehen um dort die Meinung zu vertreten, hier sei alles schlecht. Wir bewundern jeden, der den sicheren Hafen Deutschland verlässt und sich darauf vorbereitet hat, im Ausland bei Null anzufangen. Ohne Dolmetscher, Einführungsagenten oder sonstige Kindermädchen. Wenn man sich alles selbst erarbeitet, ist es wesentlich schöner die Früchte zu ernten.
Dann möchte ich einmalig auf eine besondere Situation in den Foren im Internet hinweisen.
Das Petra und Andrea ( die Autorinnen des Buches Schwedentraum ) mittlerweile zu unseren Freundeskreis zählen, kann man sicherlich aus den letzten Beiträgen erkennen.
Petra hatte auf ihrer Webseite ein Forum, in dem sich Schwedenneulinge, alte Hasen und die, die sich irgendwo dazwischen befinden, rege austauschen und Tipps und Hinweise finden zum Thema Auswandern nach Schweden. Dieses Forum wurde aber in letzter Zeit von einigen, sagen wir mal höchst merkwürdigen Gestalten, aufgesucht und regelrecht unterwandert. Diese Personen giften in den Foren alles an, was sich herwagt. Die Art dieser Personen ist oft dermaßen persönlich und teilweise übelst rassistisch, was die ganze Angelegenheit nur noch schlimmer werden lässt. Ja selbst Sympathisanten finden diese üblen Schreiberlinge, die dann, 180° entgegengesetzt ihrer sonstigen Beiträge, nach Antworten suchenden Neulingen, anfeinden. Oder solche, die ihr ganzes Wissen aus irgendwelchen Fernsehberichten, Zeitungsartikeln oder Stammtischabenden erwirtet haben und dieses als ihr eigenes verkaufen ohne es überprüft und gegenrecherchiert haben. Peinlich! Und was mir dabei am meisten aufstößt, ist die Tatsache, dass sie sich mit Allwissenheit beseelt fühlen und keine außer ihrer eigenen Meinung zulassen. Dies geht mittlerweile so weit, dass langjährige Besucher dieser Foren, sich aus den Internetplattformen völlig zurückziehen. Und das nur weil einige INTERNETHOOLIGANS ihr Unwesen treiben. Schade eigentlich.
Jedem seine Meinung, bitte. Aber bitte auch in einem Ton der sich gehört. Natürlich ist es etwas nervig, wenn Forenneulinge die meistgestellte Frage zum x-ten male mit einem neuen Post versehen. Dennoch müssen diese Leute nicht an- oder niedergemacht werden.
Das Schwedentraum-Forum ist auf jeden Fall erstmal geschlossen. Mal sehen wie sich diese Sache weiterentwickelt.

Dass die Schweden viel mehr mit ihren Kindern zusammen erleben, war uns ja bekannt, aber dieses Phänomen des Sportlovet kannten wir bisher noch nicht. Da gibt es in der dritten Februarwoche eine Woche Ferien, wo die Eltern aufgerufen werden, sich sportlich mit ihrem Nachwuchs zu beschäftigen. Das geht dann so weit, dass der Sportplatz um die Ecke mal eben 20 cm hoch geflutet wird, um den Kiddies und natürlich auch den Eltern die Gelegenheit zu geben, im improvisierten Eisstadion Hockey zu spielen oder einfach nur einige Runden zu ziehen. Dies macht auf dem nahe gelegenem See mit fast 12km Länge natürlich ebenfalls wahnsinnig Spaß, doch muss man dafür mal eben 2 km laufen und der Sportplatz ist eben um die Ecke. Wer sich an alte ?Ferien auf Saltkrokan? Filme erinnert, kennt vielleicht noch die übergroßen Drachen mit denen sich die Personen vom Wind über das Eis schieben lassen. Etwas technisierter und im Material ausgefeilter, kommen diese Drachen hier auch zum Einsatz. Und beim Spaziergang am Sonntag über den See, düsten einige "bedrachte" Personen so an uns vorbei. Lediglich die Routine im Umgang mit Eis macht uns noch etwas zu schaffen. Denn wenn mal der Boden unter einem knackt und knarrt, schießt uns das Adrenalin durch die Adern. Den Schweden kümmert`s nicht.
Eisige Wintertemperaturen machen das Leben hier sehr angenehm. Die Tagestemperatur liegt so zwischen 4-8°C Minus und nachts ist es dann oft doppelt so kalt. Aber trockene Kälte. Auch wenn bei eisigem Ostwind ab und an die Gesichtszüge einfrieren, ist es doch angenehmer als die matschige feuchte 0°C Umgebung in Deutschland. Der Schnee bleibt mal länger als einen Tag liegen und die Straßen sind zwar weiß, aber gut befahrbar.

Mal was ganz anderes, für mich völlig untypisches. Ich hatte gestern mit Maeva zusammen eine Fahrt nach Jönköping (ca. 90km entfernt) gemacht, um dort noch etwas für die Aufenthaltsgenehmigung abzugeben. Danach haben wir für sie in einem Sportgeschäft Schlittschuhe gekauft. Zuhause zeigte sich dann, dass eine der Schnallen defekt war. Etwas enttäuscht darüber fuhren wir heute Morgen in den nächstgelegenen Ort in dem ein Sportgeschäft der gleichen Kette ansässig ist. Hier fragten wir ob es eventuell ein Ersatzteil zu kaufen gäbe. Die Verkäuferin schnappte sich den defekten Schuh (ohne den Kassenbon einzusehen) und kam kurz darauf mit einer neuen Schnalle zurück. Auf die Frage, wie teuer das denn sei, antwortete sie völlig selbstverständlich, dass das doch eine Reklamation sei und diese kostenfrei wäre. Den müsstest du mal in Essen oder Oberhausen versuchen!!!
Das einem hier entgegengebrachte Vertrauen ist sehr angenehm. Wir schließen das einfach darauf, dass hier gerade mal 9 Millionen Menschen auf der doppelten Fläche wie Deutschland wohnen. Jedoch kann ich nun verstehen, warum Touristen nicht immer gern gesehen sind. Denn manche von ihnen missbrauchen dieses Vertrauen z.B. beim Allemannsrätten (dem Recht auf freies Bewegen in der Natur einschließlich dem "wilden campen".
Also die Bitte eines neuen Schwedens: " Geht sorgsam mit der Natur um, dann haben alle Freude dran und es müssen keine Verbotschilder oder Gesetzte erfunden werden, die einem an dem Zugang der Natur hindern"