Vorbei ist es mit dem Sommerloch!!!
Hallo Liebe Leser,
Zuerst einmal sei gesagt, das wir noch leben!. Die letzten 9 Wochen seit dem vergangenem Beitrag ist auch einiges passiert, aber irgendwie konnte ich den inneren Schweinehund nicht besiegen und habe das Schreiben immer vor mir hergeschoben.
Dieses herrliche schwedische Sommerwetter ( nahezu 4 Wochen Dauerregen während Maevas Ferien) lädt geradezu ein, absolut nichts zu tun.
Natürlich war es nun wirklich nicht dermaßen öde, wie es klingen mag, deshalb schreibe ich nun wieder mal einen längeren Artikel. Ich berichte vom Schuljahresabschluss, einem Geburtstag in einer deutschen Hochburg Schwedens, dem Neuerwerb von Petra und Andrea und den damit verbundenen Freizeitvergnügen und von kulinarischen Neuerfahrungen.
Maevas letzter Schultag vor den GROSSEN! Ferien im Juni war äußerst festlich. Die Kinder wurden gebeten in ihren feinsten Kleidern zur Schule zu kommen, um dort zusammen zum Kindergottesdienst zu gehen.
Vor der Kirche warteten schon ungeduldig Eltern, Familie und Freunde der Kinder um sie zu begrüßen und mit ihnen zusammen den Gottesdienst zu feiern. Die Kirche im Dorf ist ja sehr selten geöffnet ( so wie beinahe alle Kirchen in Schweden ) aber heute war sie voller Leben. Die Bänke waren bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Rektorin der Schule begann die Feier mit einem sehr schönen Lied, das alle gespannt lauschen ließ. Danach erzählte sie eine Geschichte über einen kleinen Jungen der mit seinen Freunden zusammen Großes veränderte und hielt somit den Kindern die Wichtigkeit einer Kameradschaft vor Augen. Die Kinder sangen einige Lieder oder spielten einstudierte Stücke auf ihren Instrumenten.
Nach einem sehr gelungenen Gottesdienst gingen Die Kinder zusammen mit ihren Familien zurück in einem kleinem Umzug zur Schule. Hier trank man noch gemeinsam Kaffee, dankte den Lehrern für ein gutes Schuljahr mit Blumen oder kleinen Präsenten und klönte noch ein wenig mit den anderen Eltern.
14 Juli. Maeva hat Geburtstag. Miriam und ich waren so gemein und haben im Voraus Maeva im Glauben gelassen, das wir ihren Geburstag nicht feiern werden, sondern ein wenig in der Umgebung spazieren werden und dann zusammen vielleicht ein Eis essen werden. Umso erstaunter war Maeva dann, als wir sie sehr früh weckten und der Hund nicht Zuhause war.
Ebenso erstaunt war sie über die Masse der Päckchen und Pakete die in den letzten Tagen eintrafen und die wir nur mit Mühe vor ihr verbergen konnten. Sie war wohl der Überzeugung, man habe sie vergessen.
Wir hatten den Hund abends zuvor bei Petra und Andrea abgegeben um mit Maeva 2 Tage in Smalland zu verbringen. Hier hatten wir uns mit Nicola ( einer ehemaligen Mitschülerin aus dem schwedisch Kurs ) und ihrer Familie verabredet um mit den Kindern ein Wenig in den Fussspuren Astrid Lindgrens zu stapfen. Kurz vor unserem Ziel sagte Maeva plötzlich ? Hier war ich schon einmal, ganz bestimmt?. Und sie hatte Recht, diese Straße haben wir einmal vor gut einem Jahr befahren. Wahnsinn so ein Kindergedächtnis. Als Wir in Vimmerby auf dem Markplatz ankamen, nahmen wir ein zweites Frühstück ein. Dann kamen die Borkener, die zu diesem Zeitpunkt ihre ersten Ferien in Schweden verbrachten. Wir klönten ein wenig und die Kinder spielten gemeinsam auf der Hoppetosse, die auf dem Marktplatz stand. Dann fuhren wir gemeinsam nach Bullerby. Hier fühlt man sich irgendwie wieder in seine Kindhei zurückgesetzt. Der Nord- der Mittel- und der Südhof stehen genau wie im Film in unseren Kindertagen und man wartet regelrecht darauf das Lasse, Bosse und die anderen herausspringen und zusammen Abenteuer erleben. Für die Kinder hat man dann einen Heuboden errichtet, wo die Kleinen ( und manchmal werden die großen sehr klein!!) im Heu toben können oder sich im hohlen Baum verstecken.
Im Anschluss fuhren wir zum Kathult-Hof auf dem der Michel ( Emil ) sein unwesen trieb. Das Haus steht noch genauso da wie in den Kinderfilmen. Witzigerweise hat man die Proportionen wesentlich größer in Erinnerung. Im Schnitzschuppen oder rund um das Haus kann man die alten Filmszenen regelrecht riechen. Ein kleiner Souvenirladen bietet Bilder und Filme sowie allerlei Andenken feil. Wunderschöne Bilder, auf denen Filmszenen festgehalten wurden, säumen die Wände. Leider waren diese Bilder unverkäufliche Originale. Maeva kaufte sich von ihrem Geburtstaggeld ein Kleid das genau wie das Kleid der kleinen Ida aussah. Wir kauften noch eine CD mit den Schönsten Liedern aus allen Astrid-Lindgren Filmen. Der Tag war schon weit fortgeschritten und somit fuhren wir zurück nach Vimmerby um zusammen mit den Borkenern etwas zu essen. Bei Pizza und Salat saßen wir noch zusammen und erzählten ein wenig von den Erfahrungen und Eindrücken in einem fremden Land als Auswanderer.
Wir hatten bereits vorher beschlossen, das wir nicht am gleichem Tag zurückfahren werden, da Vimmerby doch gute 3 Stunden Autofahrt entfern lag. Also hatte Miriam ein Zimmer in einer Pension in Smalland gebucht. Hier angekommen wurden wir dan erstmals Zeuge einer deutschen Hochburg in Schweden. Dieses Dorf hatte mittlerweile einen Ausländeranteil von über 70%. Und diese Ausländer waren mit Masse Deutsche. Den Rest bilden Holländer, Dänen und Norweger. Aufgrund der Menge der meistgehends Sommergäste wurde dann auch vor einiger Zeit die Schule geschlossen, der örtliche Lebensmittelladen abgerissen und die Kaufpreise für Schweden unerschwinglich gemacht. Zahlen die deutschen doch alle Preise.
Wenn man dann noch erfährt, das zum Beispiel in einer Straße bis auf eine schwedische Familie ausschließlich Deutsche wohnen und diese ihren Nachbar zwar nett finden, aber bedauern das dieser kein deutsch spricht, fühlt man sich ein wenig als Besatzer und schämt sich für das fehlende Integrationsstreben der alten Landsleute. Die schwedische sprache ist nun wirklich leicht zu erlernen, da sollte mal einer versuchen Isländisch zu verstehen!.
Nun zu etwas ganz anderem!!
"Frank, schau mal hier im Internet, was hältst du denn davon??" so schrieb Petra in einer Mail. Ich öffnete den Verweis aus der Mail und war erstaunt. Da lag ein nettes Boot, gepflegt und schick im Wasser. "Absolut in Ordnung und ganz günstig" hieß es im Schreiben weiter. Und "kannst Du vielleicht mitkommen zur Besichtigung?" Na Klar kann ich!
Also trafen wir uns zum verabredeten Termin in Lidköping wo wir uns mit dem Besitzer des Bootes treffen wollten. Nach kurzem warten kam dieser auch in Begleitung von Familienangehörigen. Er habe dieses Boot gekauft, aber leider nie die Zeit dazu gefunden, es zu bewegen. Die gute alte Dame wäre aber in einem tadellosen technischen Zustand. Nun, dieses festzustellen war ja Grund des Treffens. Er öffnete das Boot und zeigte Andrea und Petra erst einmal alles Wissenswerte über ESMERALDA. Das Boot war ursprünglich ein Segelboot wurde aber vor ca. 50 Jahren in ein Motorboot umgerüstet. Ausgestattet mit einem Einzylinder-Dieselmotor käme es auf eine maximale Geschwindigkeit von ca. 12 km/h, wobei die Langsamkeit des Bootes den speziellen Reiz ausmachen würde. Nun im Grunde perfekt für die beiden Neukunden. Nach einer kurzen Probefahrt ( Esmaralda sprang ohne murren sofort an ) wurde man sich schnell einig über den wirklich günstigen Preis, der zu allem Erstaunen auch noch die Liegegebühr für den Rest des Jahres sowie einen Bootsanhänger beinhaltete. Glück muss man/ Frau :=) haben! So ein Boot findet man nicht jedertage im Netz. Der Absolute Vorteil für Petra war dann auch das der ehemalige Eigner den Text im Netz sehr bescheiden ausfallen hatte lassen und kein Bild dazu eingestellt hat. Wir fuhren direkt eine kleine Runde von gut 2 Stunden mit Esmeralda raus auf den Vänern. Und man muss der betagten Dame ein absolutes Lob aussprechen. Langsam und Spurtreu fuhr sie Zuverlässig ihre Runden. Petra war zu Recht begeistert. Wir verabredeten uns für den kommenden Sonntag an dem wir einen ganzen ag auf dem Wasser verbringen sollten.
An diesem Tage wollten wir dann auch ein wenig Schleppangeln. Wir fuhren von Lidköping gute 12 km nordwärts bis wir an der Einmündung zu Kollandsö einer Halbinsel im Vänern kamen. Hier hatten Miriam, Maeva und ich erstmals das Schlauchboot ausprobiert und das Gewässer für sehr angenehm empfunden. Außerdem waren alle Ufer von Schilf umsäumt, ein gutes Zeichen für Hechte. Und nach einem kleinen Halt an einem Jachthafen, wo wir gemütlich einen Kaffe tranken und einige wieder entsorgten, setzten wir uns wieder in Bewegung um ein wenig zu fischen.
An einer besonders engen Stelle schnarrte die Bremse meiner Angelrolle plötzlich. Ich dachte es sei sicherlich ein Hänger des Köders auf dem Boden. Aber nach kurzem rollen stellte ich fest, das es sich um einen großen Hecht handelte. Dieser kam immer wieder an die Oberfläche und zeigte seine beeindruckende Größe. Aufregung auf dem Boot. "Wo ist der Fotoapparat??, Wie bekommen wir den hier rein?? Papa, beißt der um sich??." Und als sei es nicht genugt sagte Petra, das wir weiterfahren müssen, da sich ein kleiner Stau hinter uns gebildet hatte. Ich versuchte weiter den Hecht bei Laune zu halten und gab ihm abwechselnd mal Schnur, mal Bremse. Da wir uns in Bewegung setzten war es nicht so einfach, den Fisch richig zu drillen, versuchte der Hecht doch immer wieder in Richtung Ufer zu kommn. Dies wäre der sichere Abbruch der Angelaktion und ich versuchte ihn immer wieder daran zu hindern. Als ich in dann in der Nähe des Bootes hatte und gerade den Kescher ansetzten wollte, schlug er um sich und zerriss die Schnur. Da schwamm er hin, meinen Köder noch im Maul. Enttäuscht, aber doch irgendwie fasziniert darüber, das ich einen dermaßen großen Burschen an der Angel gehabt hatte fuhren wir dann weiter.
Bevor hier der Vorwurf des Anglerlateins aufkommen mag, gebe ich erst keine Größenangaben. Auf Dauer werde ich ihn bekommen, meinen Hecht....... Schade nur das er nun mit einem Haken im Maul schwimmen muss. Hoffentlich kann er sich davon befreien.
Wir fahren auf jeden Fall nun wesentlich öfters auf dem Vänern.
Kulinarische Besonderheiten der Schweden sind ja nun nicht so bekannt wie die der Franzosen. Wobei, wenn mir einer mit schimmeligen Käse oder glibberigen Schnecken sowie Fröschen ankommen würde, wäre ich sicherlich schwer zu überzeugen. Bengt hatte uns eingeladen zusammen mit Freunden beim Kräfte väcken dabei zu sein. Und da wir jede neue Erfahrung gern mitmachen gingen wir zur Krebspremiere an die improvisierte Hütte nahe des Flüsschens an dem Bengt das Fischrecht besitzt. Auf ungefähr 50m Länge hatte er einige Krebskäfige ausgelegt und bat Maeva doch beim ausholen behilflich zu sein. Die war dann auch direkt Feuer und Flamme, als im ersten Käfig einige Krebse gefangen waren. Insgesamt fischten sie und Bengt einige Dutzend aus dem trüben Wasser. Interessanterweise sah man überall Flussauf- und abwärts Menschen um ihre Käfige sitzen klönen und gegenseitig die Fänge zu begutachten oder hier und da auch mal hämisch zu kommentieren.
Tags darauf kam Bengt zu uns nach Hause und brachte die fertig gekochten und eingelegen Krebse um uns zu zeigen wie man diese Delikatesse richtig zu essen hab. Nach einer kleinen Unterweisung haben wir dann alle drei die leckeren Krebse genossen.
Schon mal was vom Surströmming gehört??
"Das ist doch dieser gammelige Fisch in den ausgebeulten Dosen, der zum Himmel stinkt und furchtbar schmeckt" Richtig!, aber schon mal selbst probiert?? Gerüchte gibt es ja einige von dieser Besonderen Mahlzeit. Kenneth hatte einen jungen Maurer aus Gotland bei sich über die Sommerzeit beschäftigt und genau dieser schwört auf die Delikatesse. Im Gespräch mit ihm stellte sich schnell heraus, das es wohl zu 80% an der Zubereitung des Gerichtes läge ob es genießbar sei oder eben nicht. Nun gut. Bin ich also mal mutig und probier das Zeug einmal um zumindest sagen zu können, das ich es versucht habe. Miriam fuhr mich zu Kenneths Stuga, wo Gabriel der junge Gotländer wartete. Er sagte, dass das Geheimnis eigentlich darin läge den Geschmack nicht zu konzentrieren, sondern mit einigen anderen Zutaten zu vermischen und den Fisch nur als Würze zu benutzen.
Als Gabriel die Dose öffnete, schlug und ein Geruch entgegen der atemberaubend war.
Was den Duft angeht waren also alle Gerüchte war. Eine Mischung aus verdorbenem Fisch und Kläranlage kann den Duft erklären. Er bereitete Dünnbrot zu, legte Karoffeln in Scheiben und ordentlich Zwiebeln dazu. Dann zerschnitt er die Fischfilets in kleine Stücke und verteilte sie auf den Kartoffeln, rollte das Brot zusammen und biss hinein. Da sich in seinem Gesicht keinerlei Farbveränderungen einstellten, machten Miriam, Kenneth und ich es ihm einfach nach. Die ersten Bisse waren ohne Fisch. Als dann ein Stück Surströmming dazu kam war ich überrascht. Der Geschmack war würzig, etwas salzig aber in keinem Fall gammelig. So aßen wir brav unsere Portionen auf und Gabriel war stolz darüber, drei weiteren Personen das Gericht nahe zu bringen. Wir saßen noch eine Weile zusammen und fuhren spät abends nach Hause mit einer interessanten Erfahrung mehr im Gepäck.
Mehr dazu hier.....
Sürströmming
Doris, unsere ehemalige Schwedischlehrerin wäre sicher stolz auf uns!
Ich denke mal das Gericht ist ähnlich wie Vaters "Handkäs mit Musik". Ab und an sehr nett, muß man aber nicht jeden Tag haben. Der Duft war jedenfalls ähnlich scheusslich!!
Ich hoffe, die Ereignisse der letzten Wochen haben euch gefallen. Sei nur noch zu erwähnen das ich mich freue über die positive Resonanz dieses Blogs und über die Tatsache einen festen Leserstamm zu haben. Natürlich freut es einen auch zu hören, wenn neue Leser dazukommen, somit Grüße ich an dieser Stelle recht herzlich den Vater von Petra.
Vielleicht hat ja der ein oder andere Leser mal einen Einwand oder Fragen zu uns oder dem Tagebuch. Ich würde mich über weitere Zuschriften unter frank@eickhoff.org sehr freuen.
Euch noch einen schönen Restsommer und gute Tage bis zum nächstem Artikel
Frank
1 Comments:
Wow habe göeich mal nen Shop zum Nachvollziehen Deines Tests rausgesucht ... scheint ja echt eine Delikatesse zu sein, die Preise reichen ja von Kaviar bis steinalter Wisky,oder liegt das am Import? Ich freu mich auf meinen Test :-)
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