Donnerstag, Mai 24, 2007

Etwas ungewöhnlich

Vielen Dank an alle treuen Leser dieses Tagebuches.

Wir bekommen haufenweise Anschriften und Zusagen per Mail. Das macht natürlich etwas stolz. In letzter Zeit kommt aber die Meinung auf, das sich das Auswandern als sehr leicht darstellt (hatten die Eickhoffs doch immer alle Türen offen vorgefunden).

Ich will hier nicht groß rumschwafeln, dennoch aber einige Illusionen mal etwas, na sagen wir, ins rechte Licht setzten.

Mensch, ihr hab?s doch einfach gehabt, da kommen wir auch in eure Gegend. So in etwa schrieb eine Familie aus Deutschland, die ihren Traum der Auswanderung ungefähr einen Monat vorher beschlossen hatten.
Ich ermutige wirklich gerne, in eine andere Gegend als Smalland zu ziehen, trifft man doch dort vorzugsweise Deutsche. Und ich muss ja nicht auswandern um quasi << unter sich>> zu sein. Denn dann stellt sich die Frage, warum ich denn das Land wechsle, wenn ich alle alten Geflogenheiten antreffe?. Wir haben hier in unserer Gegend einen absolut guten Start gehabt. Dies liegt ganz klar an einigen Faktoren, die NICHT durch die Umwelt bestimmt wurden. Als wir uns nach Schweden aufgemacht haben, wussten wir, das unserer Status und unser Einkommen aus Deutschland ganz sicher einige Jahre nicht erreicht werden kann. Das liegt zum einem an der Sprachbarriere, zum anderen einfach an der Tatsache das auch die Schweden zuerst Landsleute, dann Europäische Ausländer und zuletzt nicht-europäische Ausländer einstellen. Also mit der Meinung, ich war in Deutschland Bäckermeister, also werde ich hier auch Bäckermeister, kommt man hier nur äußerst selten an. Ich habe das absolute Glück, das ich für 3 Jahre Übergangsgelder der Bundeswehr beziehe. Das sind 75% meines alten Gehaltes, also durchaus eine Grundlage zum täglichen Überleben. Hätten wir dieses Geld nicht, hätten wir den Schritt in 2007 niemals gemacht. Für uns steht Schweden schon sehr lange fest. Sehr lange heißt nicht gerade mal einen Monat! Mich verwundert es immer mehr, welchen Einfluss Auswanderersendungen haben. Eigentlich müsste es doch erschrecken, sieht man dort Woche für Woche, wie es für die Masse derer ausgeht, die sich schlecht vorbereitet haben ( ich sage nur Auswandern nach Spanien ohne ein Wort spanisch ).

Gerade habe ich noch mit Petra über dieses Phänomen gesprochen und sie sagte einen sehr guten Satz den ich mit ihrer Erlaubnis hier einbringen möchte.

Eine Auswanderung mit der Aussage << Da fangen wir noch mal ganz von vorne an >>. ist nur in Bezug auf die Region möglich. Seinen Charakter, seine Vorlieben, Vorurteile, Geschmäcker und Abneigungen behält man bei. Ich habe mich in Schweden nur dahingehend verändert, dass mich die deutsche Hektik etwas verlässt. Aber wie Petra sagt: Man nimmt sich selbst mit, und hinterlässt nur Freunde und Familie oder Habseligkeiten, aber niemals Charakterzüge.

Wir sind auch nur deshalb gut aufgenommen worden, weil wir auf die Menschen zugegangen sind, unsere Hilfe überall angeboten haben und unsere Wünsche unter die der Mitmenschen gestellt haben. Mal ein Vergleich: Ich komme gebürtig aus einem kleinem Dorf im Sauerland. ( und die sind ja mal für ihre Kontaktfreudigkeit bekannt, die Westfalen!). Wenn man dort hinzieht und sich nicht integriert oder sogar komplett anpasst, hat man keine Möglichkeit in die Dorfgemeinschaft zu kommen. Und eins könnt ihr mir glauben, ein wenig Westfalen findet man in jedem Dorf der Welt. Freundlichkeit kommt nicht, man muss sie zuerst bringen. Und um nun völlig abzuschwafeln, fällt mir nur ein: Man erntet was man sät.

An die, die ihr auswandern wollt, sei noch einmal gesagt. Bereitet euch vor! Lernt das Land kennen bevor ihr dort hinzieht. Deutsch sein gilt nicht überall als schick. Und die Art wie wir Deutschen im Ausland auftreten ist schon heftig. Eure Weisheiten, seien sie auch noch so gut, stoßen nicht überall auf Verständnis. Und nur wenn ihr bereit seid, auch in einer unteren Gesellschaftsschicht anzufangen ( im SFI Kurs wird einem das so richtig bewusst, das man mit allen anderen Ausländern in einen Topf geworfen wird und eben nicht priviligiert ist )und euch wirklich zu integrieren, sowie mit dem Land in dem ihr dann wohnen werdet, zu identifizieren, werdet ihr einen angenehmen Start und Aufenthalt haben. Hier seid ihr die Ausländer!


Ich wünsche Euch einen leichteren Start als diesem hier, aber sinnbildlich trifft dieses Bild aus dem März ganz gut zu. Der kleine hat es gegen den kalten schweren Schnee geschafft, weil er sich gut integriert hat und nun der Schnee etwas von seinem Platz für den neuen Baum freigibt!



4 Comments:

At 29/5/07 14:37, Anonym sagt dazu:...

Spinner

 
At 29/5/07 17:23, ein Eickhoff sagt dazu:...

wenn schon beleidigend.. dann zumindest so mutig und den namen veröffentlichen...

Das ich spinne, weiss ich, nur wüsste ich gerne, wer noch der Ansicht ist :-P

 
At 30/5/07 08:26, schwedentraum sagt dazu:...

Nee Frank Du spinnst nicht - im Grossen und Ganzen hast Du recht. (Leute - legt nicht jedes Wort auf die Goldwaage und Beleidigungen kann man sich ganz sparen)! Man ist hier Ausländer und nur mit Integrationswillen wird man die schwedischen Mitmenschen von seiner eigenen Anpassungsfähigkeit ueberzeugen - so sind meine Erfahrungen. Wer andere gemacht hat - kann diese ja gerne verkuendigen, findet doch jeder sein eigenes "Schweden".

Gruesse aus Grästorp von Petra

 
At 24/6/07 20:59, rednoserunpet, bettina heydebreck sagt dazu:...

wenn mehr leute mit soviel sinn und verstand auswandern würden, gäbe es diese komischen sendungen bestimmt nicht. ich wünsche euch alles gute. ich denke ihr werdet euren weg auf jeden fall machen. falls es bei uns mal soweit ist, melde ich mich noch mal bei euch.. bis dann
bettina
rednoserunpet

 

Kommentar veröffentlichen

<< Home