Eine Seefahrt die ist lustig....
Nachdem ich mehrfach (einigen Lesern nach zu heftig) ausgeteilt habe, will ich heute mal wieder von etwas angenehmen berichten.
Der Name Kenneth ist ja bereits mehrfach in diesem Tagebuch gefallen. Und weil er auch in letzter Zeit immer wieder helfend zur Seite stand, haben wir uns vorgenommen mal einen ganzen Tag am und auf dem Wasser zu verbringen. Sein Schwager Bengt, der in den letzten Wochen immer mehr zu meinem >>Privatlehrer<< in Sachen schwedisch geworden war, sollte mit von der Partie sein. Außerdem haben wir noch einige Flaschen tyska Öl (also nettes deutsches Bier) eingeladen uns doch einfach zu begleiten. Der Aufforderung kam das Bier dann auch direkt nach, kündigte aber an, dass es eventuell nicht wieder nach Hause wollte. Nun, dies konnten wir wohl gut verschmerzen.
Zu nachtschlafender Zeit (also gegen 9 Uhr morgens) trafen wir uns dann bei Kenneth um dann in Richtung Sämsjö zu fahren, der in der Nähe von Annelund liegt. Den See hatte ich bereits einige Wochen zuvor besichtigt. Er ist ungefähr 4km lang und knapp 2km breit, beherbergt einige nette Inseln und liegt ziemlich windgeschützt in einem Tal.
Nachdem wir uns eine Fiskekort gekauft hatten luden wir das Boot und alle Utensilien ab und bauten das Boot auf.
10 Minuten und erstes Bier später stachen wir in See. Das Wetter war herrlich und die Wogen auf dem See waren minimal. Ideales Fischwetter. Ich hatte zwar mal irgendwo gelesen, dass sich die Fische mehr so in der Morgen- und Abenddämmerung sehen lassen, aber was weiß ich schon vom fischen?? Nachdem wir den See das erste mal in seiner kompletten Länge durchkreuzt hatten, sagte Bengt, wir sollen doch einmal in eine kleine Bucht fahren die von Schilf und Seerosen umringt ist, denn dort stehen die kapitalen Hechte.
Ich habe noch nie einen Hecht gefangen und war auch ziemlich heiß drauf, endlich mal einen am Haken zu haben. Wir also geankert und uns an einen sehr viel versprechenden Platz gestellt. Und siehe da, bereits nach weniger als 5 Minuten stellte sich der erste Erfolg bei Bengt ein. Die Rute bog sich verheißungsvoll durch und Bengt arbeitete kräftig an der Rolle. Nach einem kurzen aber harten Kampf kam dann der vermeintliche kapitale Hecht zu Tage. Mein lieber Scholli, dachte ich nur. Mit einer Spannweite von fast einem Meter war das doch mal ein brauchbarer Fang. Nur die Form kam mir irgendwie etwas merkwürdig vor. Auf meine Frage, ob das nun ein typischer schwedischer Hecht sei, bekam ich nur ein missgelauntes Murren.
Neues Spiel neues Glück also. Wir fuhren etwas weiter um uns zwischen 2 Inseln zu stellen und hier etwas mehr Erfolg einzufangen. Einige Bier später wurde der Druck im Blasenbereich meiner Passagiere unerträglich und sie baten, eine Insel anzusteuern.
Ich verzichtete auf das Bier, musste ich doch Boot und später das Auto sicher nach Hause steuern. Auf der Insel angekommen und von den Lasten der deutschen Braukunst erleichtert, entschieden wir, noch einige Zeit hier zu verbringen. 
Wir verteilten uns etwas und nach kurzer Zeit hatte Kenneth dann einen ersten Biss. Dieser Brocken war dermaßen widerspenstig und kampfbereit, dass Kenneth richtig gut zu tun hatte. Dann die Enttäuschung schlechthin. Das Material seiner Rute gab nach und die Schur riss. Somit konnte der erste richtige Fisch abhauen. Er kam zu mir um einen neuen Köder zu befestigen.
In diesem Moment war Jubelgesang von Bengts Seite zu hören. Er hielt triumphierend einen Barsch in der Hand. Da beide Fische in der gleichen Bucht gebissen hatten, war nun an weiterfahren erst einmal nicht zu denken.
Wir warfen also unsere Ruten aus wie die Berserker. Als nach knapp einer halben Stunde kein weiterer Biss kam, brachen wir die Aktion ab. Witzigerweise konnte man sehen, wie die Fische teilweise aus dem Wasser sprangen um Fliegen von der Oberfläche zu schlucken.
Nun, an Fliegen hatten wir nicht gedacht. Etwas niedergeschlagen (mal von Bengt abgesehen)setzten wir unsere Bootsfahrt fort. Da bereits einige Stunden vergangen waren, beschlossen wir, uns langsam auf den Heimweg zu machen, musste Kenneth doch noch am Abend zu einer Geburtstagsfeier.
Bengt prahlte mit seinem Fang und seine Brust platzte bald vor Stolz. Kenneth und ich machten uns dran den Fisch immer mickriger zu reden, was bei Bengt natürlich nur auf taube Ohren stieß. Er war überzeugt von seinem Fang und irgendwie hatte man das Gefühl, der Fisch würde in der Tasche nun weiter wachsen. Zumindest von den Erzählungen her wuchs und wuchs der kleine Barsch auf kapitale Ausmaße.
Wieder am Bootsanleger angekommen, bauten wir in Ruhe das Boot ab und packten alle Sachen wieder ein. Dann machten wir uns auf den Heimweg.
Ich konnte es einfach nicht lassen ein wenig mit Photoshop den Fang zu bearbeiten um Bengt dann ein Foto seines Rekordverdächtigen Fisches auszuhändigen. Die Lacher waren ganz auf meiner Seite!
Abschließend, kann man sagen, dass wir Baggerspaß hatten und beschlossen haben, diesen Tag gerne einmal zu wiederholen. Dann mal mit einem anderen Fahrer und vielleicht mal schwedischem Bier?.. mal sehn.
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